Gala Colivet Dennison
SCHMUCK UND DUFT

IM GESPRÄCH MIT

Gala Colivet Dennison

Ein rekordverdächtiger heißer Mai, ein erst zum Apartment und dann zum Studio umgebautes Warehouse und ein Gespräch über Sand, Feuer und Flammen. Das mag zwar stickig klingen, aber die Mischung aus Schmuckdesignerin Gala Colivet Dennison, Parfümeur Philippe Paparella und dem Duft von Safran und Patschuli verwandelt jegliches Unbehagen in einen sensorischen Schmelztiegel. Die beiden Kreativen sprechen über Rosendünen – einen opulenten, würzigen und raffinierten von Paparella entwickelten Duft – und über Colivet Dennisons Interpretation dieses Duftes aus ihrer einzigartigen Perspektive als Schmuckdesignerin. Atmosphärisch, sensorisch und kreativ gesehen ist alles ziemlich perfekt.

 

„Duft hat für mich etwas überaus Nostalgisches. Er versetzt mich in eine andere Zeit, sobald ich ihn auftrage. Ich trage ihn wie ein Accessoire“ sagt Gala, die von Vogue als aufsteigendes Talent bezeichnet wurde, während wir im Studio eines Freundes ihres Freundes Platz nehmen, das sie sich für den Tag geliehen hat, um uns eine Auswahl an Schmuck und Erinnerungsstücken für das Shooting zu präsentieren. Die ursprünglich als Bildhauerin ausgebildete Schmuckdesignerin verbrachte ihre prägenden Jahre mit ihren Eltern in Frankreich. Deren Antiquitätenhandel hatte nicht nur einen großen Einfluss auf ihre Arbeit – sie verbindet hartes Metall mit den leuchtenden Farben von Natursteinen –, sondern auch auf ihre Beziehung zu Duft. „Viele Frauen in Frankreich haben früher, als ich aufwuchs, häufig stark duftende Parfüme getragen“, erinnert sie sich. „In Banken z. B. roch es nach Vanille, woran ich mich noch sehr lebhaft erinnere. Und so haben mich stark duftende Dinge schon immer angezogen. Das ist das Gefühl, das ich bei diesem Parfüm habe.“

What I like about using metals is that there are boundaries within it. The metal will tell you when it’s had enough. You’re working with something that’s quite alive.

GALA COLIVET DENNISON

JEWELLERY DESIGNER

GALA COLIVET DENNISON

Rosendünen hat ein gewisses Etwas. Die Noten von Safran, Rose, Patschuli Sulawesi und Oudh sind eine direkte Übersetzung von Senior-Parfümeur Paparellas eigenen Erinnerungen an die Sandrose seiner Großmutter sowie seinen Erfahrungen von Reisen in den Nahen Osten. „Meine Großmutter verbrachte einige Jahre in Algerien. Als sie nach Frankreich zurückzog, brachte sie diesen Kristall mit“, erklärt er. „Ich finde die Geschichte seiner Entstehung und Herkunft so faszinierend. Er besteht aus einer Mischung aus Sand und Selenit und bildet sich in der Wüste unter dem Einfluss von Hitze, Wind und Regen. Er ist wirklich wunderschön und fängt die Farbe der Wüste ein.“ Als er nach Dubai zog, suchte Paparella sofort nach Bedingungen, unter denen sich Sandrosen bilden. „Nur mir vorzustellen, wie er entstanden ist, hat meine Fantasie beflügelt, als ich den Duft kreiert habe.“

Deshalb Hitze, Sand – und natürlich Feuer und Flammen. Colivet Dennison beschreibt ihr Handwerk als „einen sehr physischen Prozess. Er kann ziemlich schmerzhaft sein. Aber wenn ich löte, – das heißt, wenn ich mit Flammen arbeite –, sind sie praktisch das letzte Element, das alles miteinander verbindet. Es hat etwas merkwürdig Meditatives.“ Der körperliche Aspekt ihres Handwerks ist perfekt für eine intuitive Interpretation des Duftes – genau das hat sie geschafft. „Es war vor allem eine instinktive Reaktion darauf, wie Philippe den Duft beschrieben und wie er ihn entwickelt hat, und auf die Elemente Safran und Sand und Feuer und Wärme. All die Elemente, von denen ich dachte, dass sie definitiv auch Teil meiner Arbeit sind.“ Und wie würde sie ihre Arbeit beschreiben? „Sie ist irgendwie offen für Interpretation. Aber es gibt unterschiedliche Elemente in mir, die sich mit der Zeit weiterentwickeln, und unterschiedliche Techniken, die sich ganz sicher mit meiner Persönlichkeit mitentwickeln werden. Ich lege quasi jedes Mal ein Stückchen von mir selbst ab.“

Gala Final Work

IM GESPRÄCH MIT GALA COLIVET DENNISON UND PHILIPPE PAPARELLA

ÜBER DIE VORSTELLUNG VOM DUFT

Gala Colivet Dennison: Ich denke, [Rosendünen] hat etwas Geheimnisvolles, das ich wirklich faszinierend finde, und ich musste ernsthaft über meine Antwort nachdenken. Weil der Duft nicht sofort greifbar ist. Er ist kräftig, aber er entwickelt sich weiter. Je mehr ich ihn getragen habe, desto mehr assoziierte ich mit ihm.

Ich weiß, dass Rosendünen von der Sandrose inspiriert war, die sich in der Wüste bildet. Dass der Duft ein eigenes Leben hatte und dass er seine Schichten ablegen und sich weiterentwickeln würde. Das von mir hergestellte Stück war eine Art intuitive Reaktion. Ich wollte die Landschaft einfangen. Ich dachte daran, nach und nach verschiedene Steine dazuzunehmen und stieß auf geätzte Achate und verschiedene Arten von Knochen, die zum Bild der Wüste passten. Ich wollte auch einen Webprozess integrieren. Die Webtechnik hat etwas Unendliches, so wie Sand und Wüste.

ÜBER ROSENDÜNEN

Gala: Der Anfang ist wirklich sehr kräftig. Der Duft erinnert mich stark an meine Mutter. Sie hat früher sehr kräftige, moschusartige Unisex-Düfte getragen. Aber sie hielten lange an. Was ich wahrnehme ist am Anfang ein ziemlich starker Safrangeruch, vielleicht auch Patschuli?

Philippe Paparella: Der Duft hat eine Chypre-Signatur. Wir hatten diese Idee, Rose und Safran miteinander zu verbinden. Und genau das verleiht dem Duft Kraft, all diese Gewürze in der Kopfnote, wenn man ihn zum ersten Mal aufsprüht.

Gala: Er ist auch ziemlich vielschichtig, nicht wahr?

Philippe: Er hat eine sehr vielschichtige Struktur. Es ist kein linearer Duft – er erzählt eine Geschichte. Er ist sehr würzig mit sehr heller Kopfnote, und wenn er sich entwickelt, entdecken Sie die blumigen Noten und dann die holzigen. Und er ist sehr reich an holzigen Noten.

Gala: Mir ist aufgefallen dass die Holz- und Moschusnoten ausgeprägter wurden, je länger ich es trug. Aber die Safrannote verschwindet nicht, und das gefällt mir besonders. Und woran erinnert Sie der Duft?

Philippe: Als ich aufgewachsen bin, hatte meine Großmutter eine Sandrose, die natürlich nicht riecht, aber ich liebe ihre Textur und Farbe. Als ich nach Dubai zog und durch die Wüste fuhr, erlebte ich persönlich die Hitze und die Farben. Zu einer bestimmten Tageszeit sieht der Sand safranfarben aus. Und das erinnerte mich an die Sandrose meiner Großmutter. Die Idee für den Duft beruht auf dieser trockenen Hitze, und darauf aufbauend der Rosen-Safran-Akkord. Er ist multisensorisch. Da ist die Farbe, und das Gefühl der Hitze.

ÜBER DIE ERINNERUNG AN DÜFTE

Gala: Duft hat für mich etwas überaus Nostalgisches. Er versetzt mich in eine andere Zeit, sobald ich ihn auftrage. Ich trage ihn wie ein Accessoire.

Meine ersten Erinnerungen an Schmuck und Duft sind direkt mit wie meiner Mutter verbunden. Sehr übertrieben, mit großer Geste, aber auch mit einer gewissen Zartheit. Der Schmuck war immer übertrieben groß, die Düfte extrem stark, es hatte irgendwie etwas Männliches. Die Art, wie sie beides trug, hatte trotzdem etwas Feines, und ich glaube, das trifft auch auf den Duft zu.

Philippe: Bei meiner Familie war es ähnlich. Meine Großmutter und auch meine Mutter trugen ziemlich starke Düfte. Ich denke, meine frühesten Erinnerungen und meine Leidenschaft kommen wahrscheinlich auch daher.

Gala: Was ist Ihre früheste Erinnerung an Parfüm?

Philippe: Es ist wirklich der Duft meiner Mutter, wenn sie abends von der Arbeit nach Hause kam und mich ins Bett brachte. Man konnte noch immer die Moschusnote des Duftes riechen, und das gefällt mir besonders gut. Wie ich zur Parfümerie kam, hat wahrscheinlich auch mit meiner Großmutter zu tun. Sie war so etwas wie meine Komplizin. Sie hat mir ätherische Öle gekauft. Ich habe ein paar Rezepturen für kölnisch Wasser gefunden, die ich ausprobieren wollte, also versuchte sie, alle ätherischen Öle für mich zu besorgen. Ich war etwa 10 oder 12 Jahre alt. So fing ich an, Düfte zu mischen.

Gala: Also haben Sie gemeinsam gemixt?

Philippe: Ja, sie war eigentlich für die Beschaffung zuständig, weil ich zu jung war, um einkaufen zu gehen. Wir haben kooperiert und die Tropfen gezählt.

Gala: Erinnert Sie das an sie?

Philippe: Ja. Alles, was ich tue, habe ich im Grunde genommen meiner Großmutter und meine Mutter zu verdanken, die mich immer unterstützt haben.

ÜBER GRENZEN UND INTUITION

Gala: Was mir an der Arbeit mit Metall gefällt, ist, dass es mir Grenzen setzt. Das Metall sagt dir, wann es genug ist. Man muss sehr vorsichtig sein, man arbeitet mit etwas recht Lebendigem. Wie sieht es bei Parfüm aus?

Philippe: Es ist ein bisschen ähnlich, weil man z. B. nur eine begrenzte Menge Pulver für einen Duft verwenden kann. Ansonsten ist es nicht mehr löslich. Manchmal hat man eine Vorstellung, aber in der Realität funktioniert es nicht, weil es auch bei uns einige physikalische Grenzen gibt.

Gala: Wenn ich zu stark versucht habe, ein Stück zu verändern, oder übermütig wurde und dachte, ich kann das Material weiter manipulieren, hat es sich einfach fürchterlich verbogen. Du hast tatsächlich nur einen Versuch. Das habe ich bei der Arbeit mit Silber gelernt. Es sagt einem, wann es genug hat, und es setzt einem Grenzen. Ich finde es schön, dass man seine Intuition einsetzen muss, aber an die erste Arbeit muss man mit Zuversicht herangehen.

Philippe: Die Entwicklung von Rosendünen war am Anfang einfach, weil ich eine sehr klare Vorstellung von diesem Rosen-Safran-Akkord hatte. Schwierig wurde es, als wir am Eau de Parfum arbeiteten und versucht haben, die Vielschichtigkeit zu erreichen, die wir uns vorgestellt hatten.

Gala: Ich kann mir vorstellen, dass das auch sehr schwer ist, weil es etwas ist, das bleibt und vielschichtig ist und auf dem Weg dahin ähnlich unterschiedliche Intensitäten entwickelt. Ist weniger denn manchmal auch mehr?

Philippe: Genau. Es ist eine feine Grenze zwischen zu viel und zu wenig. Manchmal entwickeln man einen Duft und die Basis ist gut, aber wenn man versucht, weiterzumachen, geht nicht alles so, wie man will. Man fängt von vorne an, lässt vieles weg und versucht, die Inhaltsstoffe in einer anderen Reihenfolge oder in verschiedenen Mengen hinzuzufügen oder etwas herauszunehmen.

Gala: Oft muss ich vorsichtig sein, wenn ich zu viel an einem Stück gearbeitet habe, wenn es Narben hat, wenn ich zu viel Hitze angewendet habe. Manchmal bekommt man Brandflecken und ich muss den Prozess überprüfen, um sicherzustellen, dass das Stück in Ordnung ist. Wenn nicht, schmelze ich es wieder ein und fange von vorne an.

ÜBER GESCHLECHTSNEUTRALE KREATIONEN

Gala: Meine Mutter hat immer eleganten Schmuck getragen, aber er war sehr sehr groß. Es gab immer diese Gegensätze zwischen maskulin und feminin, Aggression und Zartheit. Zartheit finde ich vor allem in den Steinen, und die architektonischen, aggressiven Elemente in den Metallen. Deshalb versuche ich, mit beiden zu arbeiten.

Die Arbeit hat etwas Geheimnisvolles, das mich besonders reizt. Ich denke, im Grunde genommen geht es um die Nuance, also etwas ziemlich Kräftiges zu kreieren, ohne überwältigend zu sein. Etwas, das ein bisschen fasziniert – etwas Geschlechtsneutrales.

Philippe: Für mich ist es ein wenig genauso. Ich mag Düfte, die geschlechtsneutral sind – selbst wenn ich an einem femininen Duft arbeite, gibt es immer ein maskulines Element. Zumindest durch die holzigen und würzigen Noten. Eher maskuline Düften ergänze ich manchmal gerne mit einer blumigen oder geschmacklichen Note. Ich denke, mir gefallen geschlechtsneutralere Düfte besser.

Gala: Mir gefällt, dass [Rosendünen] nicht übermäßig feminin wirkt, es ist wirklich schön. Es hat verschiedene Töne. Es ist auf beiden Seiten ein geschlechtsneutraler Geruch und entwickelt sich beim Tragen. Ich liebe den Duft!“

Philippe: So arbeite ich. Ich mag es sehr, wenn Düfte männlich-feminin sind. Das heißt, sie sind sehr blumig aber auch würzig. Sie sind also weder männlich noch weiblich.

DIE IKONEN SHOPPEN

RE-CHARGE BLACK PEPPER

RE-CHARGE

BLACK PEPPER

DEN DÜFTE SHOPPEN
COASTAL CYPRESS & SEA FENNEL

COASTAL CYPRESS

& SEA FENNEL

DEN DÜFTE SHOPPEN